Berichte aus dem Kinderdorf


An dieser Stelle publizieren wir Texte, Zeitungsartikel und Reportagen über das Nice View Kinderdorf. Wir möchten Leuten eine Plattform bieten, auf der sie ihre Erlebnisse in Msambweni oder an Ubele-Anlässen beschreiben und ausdrücken können – sei es mit Texten, sei es mit Fotos oder auch Videoclips. Wir freuen uns auf weitere Beiträge (kontakt@ubele.ch).

 

Blitzbesuch in Nice View (Februar 2021)

Spätestens nach einem Jahr beginnt es – das Fernweh. Aber eigentlich müsste es eher Heimweh heissen, denn der erste Aufenthalt in Nice View vor gut eineinhalb Jahren hat mich Wurzeln schlagen lassen. Und dass dies nicht nur mir passiert, weiss ich von vielen Menschen, die ihr Herz an Afrika verloren haben. Also wagte ich trotz den ökologischen Bedenken, die für so eine weite Reise und für einen so kurzen Aufenthalt unbedingt berechtigt sind, wieder der «neuen Heimat» einen Besuch abzustatten. Allerdings muss ich zur Rechtfertigung anfügen, dass ich auch geschäftlich mit der Nice View Trust Foundation zu tun hatte und ihr Bauprojekt «Paradise Garden» vor Ort zu begutachten hatte. Über Paradise Garden werde ich ein anderes Mal berichten.

Die Nice View Kinder sind in der Zwischenzeit gewachsen, und auch die jüngsten Zwillinge tappen schon alleine durch die Gegend und haben keine Angst mehr vor meinem ‹Bleichgesicht›. Das Wiedersehen war so selbstverständlich, als hätten wir uns erst gestern voneinander verabschiedet.

Natürlich wurde ich gleich gefragt, ob wir wieder miteinander trommeln. Obwohl ich dieses Mal nicht als Lehrperson auftrat, versammelten wir uns fast jeden Abend im Musikzimmer und trommelten, was das Zeug hielt. Gudrun Dürr erzählte mir, dass unterdessen jeden Samstag an dem «bunten Abend», den die Kinder selber organisieren, das Musizieren und vor allem das Trommeln unabdingbarer Teil der Abendgestaltung sei.


Auch in unserem Trommelkreis merkte ich schnell, wie das gemeinsame Musizieren nicht mehr gross auf eine Führung angewiesen ist, sondern das «gemeinsam in den Rhythmus kommen» eine Eigendynamik entwickelt. Die Trommeln gehören jetzt zu ihnen! Den Profitrommler Paul Mbugi, der 2019 auch die 20 Djembes in seiner Werkstatt im Slum von Nairobi für uns gebaut und uns auch unterrichtet hat, möchte ich unbedingt wieder zu einem «Refresher» ins Kinderdorf einladen. Wer sich für diese Idee interessiert und mich finanziell in diesem Vorhaben unterstützen möchte, kann sich gerne an mich wenden.

Drei Wochen waren schnell vorbei. Zu schnell! Und ich muss gestehen, dass mir dieses Mal die Heimreise schwer viel, auch wenn ich mich wieder sehr auf das Wiedersehen mit meinen Lieben gefreut habe. Aber das Herz bleibt halt immer ein bisschen hängen...

Beat Hofmann


Besuch von Delia Gaudio im August 2019.
(Für Bildergallery mit Mouseover)

Mein Aufenthalt im «Nice View» Kinderdorf

Im August 2019 durfte ich drei Monate in Nice View in Msambweni an der Südküste Kenias verbringen. Dabei tauchte ich in eine neue, mir bis anhin fremde Kultur ein und sammelte viele wertvolle Erfahrungen. In Nice View angekommen, wurde ich von der ganzen Nice View Family herzlich begrüsst, danach hat die Sozialarbeiterin Doris mir das riesige Gelände gezeigt und geduldig all meine heiklen Fragen detailliert beantwortet. Ich war richtig beeindruckt, wie viel Herzblut Gudrun und ihre Familie in dieses Projekt haben fliessen lassen. 

Während meinen ersten vier Wochen habe ich die Kinder während der Schulzeit begleitet und unterstützt. Ich durfte mich am Schulalltag beteiligen, indem ich Sportlektionen vorbereitete oder auch Deutschlektionen für die Kindern organisierte. Morgens habe ich jeweils viel Zeit in der Kinderkrippe verbracht und mit den Kleinsten gespielt.

Während den Schulferien haben wir diverse Aktivitäten unternommen: an einem Nachmittag führte ich ein Geländegame für die Kinder durch, in kleinen Gruppen probierten wir verschiedene Backrezepte aus. In der letzten Woche meines Aufenthalts habe ich einen dreitägigen Ausflug organisiert, den wir mit den grossen Kids durchgeführt haben. In einer Hütte am See genossen wir die wunderschöne Natur, sassen am Lagerfeuer, haben unsere eigenen Mahlzeiten zubereitet und uns gegenseitig neue Spiele beigebracht. 

Für all die interessanten Gespräche mit den Kindern, den wertvollen Erfahrungen und vor allem für die berührenden Momente nach dem Abendessen als wir uns zusammen im Kreis versammelten und sangen, bin ich zutiefst dankbar.

Delia Gaudio


Besuch im Kinderdorf Nice View (Sommer 2018)

Schon der Spaziergang von der traumhaft gelegenen Lodge direkt am indischen Ozean zum Kinderdorf «Nice View» ist ein Erlebnis. Wir sind die einzigen Weissen weit und breit und wenn wir durchs Dorf Msambweni spazieren, kommen die Kinder herausgerannt, grinsen uns an, und rufen uns «Mzungu» zu, was man mit «Bleichgesichter» übersetzen könnte. Vorbei an zahlreichen Hütten, aber auch Schulen, wo ebenfalls die Kinder in ihren bunten Schuluniformen lachen und rufen, gelangen wir dann an ein Eisengitter und warten darauf, dass der freundliche Wächter aus seinem «Flaschenhaus» tritt und die Türe zum Kinderdorf aufschliesst.

Wir hatten in den zwei Wochen unseres Aufenthalts in Msambweni viele Gelegenheiten, das Kinderdorf zu besuchen und uns mit den Kindern, die sehr gut Englisch sprechen, aber auch den Mitarbeiter*innen zu unterhalten. Zu den bleibenden Erinnerungen und Bildern zählen für uns die Fussballspiele, die gemeinsamen Abendessen, die abendlichen Runden mit Singen im Kreis sowie die Szenerie, als sich die Mädchen und Frauen unter einem grossen Baum die Haare geflochten haben. Aber vor allem war es das Gefühl, als Fremde, als «Mzungu» auf einem ganz anderen Stück Erde willkommen zu sein.

Hanspeter Mathys



Besuch im Kinderdorf «Nice View» im Sommer 2018.
(Für Bildergallery mit Mouseover)


Besuch der Familie Quinzi im Sommer 2019.
(Für Bildergallery mit Mouseover)

Bericht der Familie Quinzi

Im Sommer 2019 beschlossen meine Familie und ich, das Kinderdorf Nice View zu besuchen. Diese Reise führte uns in ein Land mit Menschen und einer Kultur, die uns vollkommen fremd waren. Daher traten wir unsere Reise nicht nur mit grosser Vorfreude an, sondern auch mit einem nicht vernachlässigbaren mulmigen Gefühl im Bauch.

Bereits bei unserer Ankunft im Nice View Village wurde uns aber bewusst, dass unsere Reise dieses ungewisse Abenteuer mehr als wert war. Der warme Empfang von Gudrun Dürr, den Angestellten und den Nice View Kindern haben uns zu tiefst berührt. Gudruns Kinder strömten in Scharen auf uns zu, schüttelten uns selbstbewusst die Hand und schenkten uns ihr strahlendes Lachen. In ihren Augen sahen wir ihre Dankbarkeit gegenüber den ‹visitors› und allen Menschen, die ihnen ein Leben im Nice View Village ermöglichen.

In den folgenden Tagen wurde uns bewusst, wie viel Arbeit und Herzblut in dem Hilfsprojekt steckt. Neben einem Zuhause wird diesen kenianischen Waisen- und Strassenkindern alles mit auf den Weg gegeben, was es braucht, um ein eigenständiges Leben zu führen. Dazu gehört nicht nur der Erwerb von vorgeschriebenem Schulstoff, sondern auch Wertschätzungen wie Dankbarkeit, Respekt, Anstand, Verantwortungsgefühl und das Wissen um eine ausgewogene, gesunde und nachhaltige Ernährung.

Obwohl etwa 40 Kinder im Dorf wohnen, wird grosser Wert daraufgelegt, dass jedes Kind als Individuum aufwachsen kann. Wir hatten das Glück, während einer Talentshow miterleben zu dürfen, wie jedes Kind in seinen Talenten gefördert wird, und wie Geburtstage gefeiert werden, obwohl von vielen Kindern das exakte Geburtsdatum unbekannt ist. Für uns war es unbeschreiblich berührend, wie Bruno, dessen fünfzigster Geburtstag auf unseren Nice View Village Besuch fiel, in das Geburtstagsritual eingeschlossen wurde. Es war ein Geburtstagsfest, das wir mit Bestimmtheit nie vergessen werden!

Überhaupt hat uns die Gastfreundschaft der Nice View Bewohner*innen äusserst beeindruckt. Es gab keinerlei Berührungsängste. Im Gegenteil, Gudrun und ihr Team sind am Austausch unterschiedlicher Kulturen sehr interessiert. So gab es am schweizerischen Nationalfeiertag auf Anstoss von Thomas ein 1. Augustfest mit Lampion, Schweizerfähnchen und Rösti.

Was uns allerdings traurig gestimmt hat, war zu sehen, wie gewisse Menschen Hilfsgütersammlungen mit Entsorgungsstellen verwechseln. Als wir halfen, Spiele, Bücher, Computer und Ähnliches aufzuräumen, kamen uns immer wieder defekte Gegenstände in die Hände, deren auch ärmere Menschen nicht würdig sind. Hilfsgüter zu sortieren und sinnvoll aufzubewahren beinhaltet sehr viel Arbeit, die mit solchen ‹Spenden› leider nicht gewürdigt wird.

Während unseres Aufenthalts haben wir viele ehemalige Nice View Kinder kennengelernt, die sich jetzt als junge Erwachsene für ihr Zuhause engagieren, indem sie als Lehrer*in, Schreiner*in, Näher*in, Gärtner*in, Fahrer*in, usw. tätig sind. Dies ist für uns mehr als Beweis genug, wie nachhaltig das Nice View Projekt ist und unsere Unterstützung verdient.

Wir bewundern Gudrun und ihre Familie für all die Kompromisse, die sie als Familie eingegangen sind, um dieses Kinderdorf auf die Beine zu stellen. Thomas und Nathalie danken wir ganz herzlich, dass sie uns bei der Planung unserer Reise unterstützt haben und dass sie sich mit Ubele leidenschaftlich für das Kinderdorf einsetzen. Der Einblick in den Alltag und das Leben der Kinder im Nice View Village hat unser Leben stark bereichert.

Melanie und Bruno Quinzi mit Alina (13) und Viona (11)