Berichte aus dem Kinderdorf


An dieser Stelle publizieren wir Texte, Zeitungsartikel und Reportagen über das Nice View Kinderdorf. Wir möchten Leuten eine Plattform bieten, auf der sie ihre Erlebnisse in Msambweni oder an Ubele-Anlässen beschreiben und ausdrücken können – sei es mit Texten, sei es mit Fotos oder auch Videoclips. Wir freuen uns auf weitere Beiträge (kontakt@ubele.ch).

 

Besuch im Kinderdorf Nice View (Sommer 2018)

Schon der Spaziergang von der traumhaft gelegenen Lodge direkt am indischen Ozean zum Kinderdorf «Nice View» ist ein Erlebnis. Wir sind die einzigen Weissen weit und breit und wenn wir durchs Dorf Msambweni spazieren, kommen die Kinder herausgerannt, grinsen uns an, und rufen uns «Mzungu» zu, was man mit «Bleichgesichter» übersetzen könnte. Vorbei an zahlreichen Hütten, aber auch Schulen, wo ebenfalls die Kinder in ihren bunten Schuluniformen lachen und rufen, gelangen wir dann an ein Eisengitter und warten darauf, dass der freundliche Wächter aus seinem «Flaschenhaus» tritt und die Türe zum Kinderdorf aufschliesst.

Wir hatten in den zwei Wochen unseres Aufenthalts in Msambweni viele Gelegenheiten, das Kinderdorf zu besuchen und uns mit den Kindern, die sehr gut Englisch sprechen, aber auch den Mitarbeiter*innen zu unterhalten. Zu den bleibenden Erinnerungen und Bildern zählen für uns die Fussballspiele, die gemeinsamen Abendessen, die abendlichen Runden mit Singen im Kreis sowie die Szenerie, als sich die Mädchen und Frauen unter einem grossen Baum die Haare geflochten haben. Aber vor allem war es das Gefühl, als Fremde, als «Mzungu» auf einem ganz anderen Stück Erde willkommen zu sein.

Hanspeter Mathys


Besuch im Kinderdorf Nice View (Sommer 2018)


Besuch der Familie Quinzi (Sommer 2019)

Bericht der Familie Quinzi

Im Sommer 2019 beschlossen meine Familie und ich, das Kinderdorf Nice View zu besuchen. Diese Reise führte uns in ein Land mit Menschen und einer Kultur, die uns vollkommen fremd waren. Daher traten wir unsere Reise nicht nur mit grosser Vorfreude an, sondern auch mit einem nicht vernachlässigbaren mulmigen Gefühl im Bauch.

Bereits bei unserer Ankunft im Nice View Village wurde uns aber bewusst, dass unsere Reise dieses ungewisse Abenteuer mehr als wert war. Der warme Empfang von Gudrun Dürr, den Angestellten und den Nice View Kindern haben uns zu tiefst berührt. Gudruns Kinder strömten in Scharen auf uns zu, schüttelten uns selbstbewusst die Hand und schenkten uns ihr strahlendes Lachen. In ihren Augen sahen wir ihre Dankbarkeit gegenüber den ‹visitors› und allen Menschen, die ihnen ein Leben im Nice View Village ermöglichen.

In den folgenden Tagen wurde uns bewusst, wie viel Arbeit und Herzblut in dem Hilfsprojekt steckt. Neben einem Zuhause wird diesen kenianischen Waisen- und Strassenkindern alles mit auf den Weg gegeben, was es braucht, um ein eigenständiges Leben zu führen. Dazu gehört nicht nur der Erwerb von vorgeschriebenem Schulstoff, sondern auch Wertschätzungen wie Dankbarkeit, Respekt, Anstand, Verantwortungsgefühl und das Wissen um eine ausgewogene, gesunde und nachhaltige Ernährung.

Obwohl etwa 40 Kinder im Dorf wohnen, wird grosser Wert daraufgelegt, dass jedes Kind als Individuum aufwachsen kann. Wir hatten das Glück, während einer Talentshow miterleben zu dürfen, wie jedes Kind in seinen Talenten gefördert wird, und wie Geburtstage gefeiert werden, obwohl von vielen Kindern das exakte Geburtsdatum unbekannt ist. Für uns war es unbeschreiblich berührend, wie Bruno, dessen fünfzigster Geburtstag auf unseren Nice View Village Besuch fiel, in das Geburtstagsritual eingeschlossen wurde. Es war ein Geburtstagsfest, das wir mit Bestimmtheit nie vergessen werden!

Überhaupt hat uns die Gastfreundschaft der Nice View Bewohner*innen äusserst beeindruckt. Es gab keinerlei Berührungsängste. Im Gegenteil, Gudrun und ihr Team sind am Austausch unterschiedlicher Kulturen sehr interessiert. So gab es am schweizerischen Nationalfeiertag auf Anstoss von Thomas ein 1. Augustfest mit Lampion, Schweizerfähnchen und Rösti.

Was uns allerdings traurig gestimmt hat, war zu sehen, wie gewisse Menschen Hilfsgütersammlungen mit Entsorgungsstellen verwechseln. Als wir halfen, Spiele, Bücher, Computer und Ähnliches aufzuräumen, kamen uns immer wieder defekte Gegenstände in die Hände, deren auch ärmere Menschen nicht würdig sind. Hilfsgüter zu sortieren und sinnvoll aufzubewahren beinhaltet sehr viel Arbeit, die mit solchen ‹Spenden› leider nicht gewürdigt wird.

Während unseres Aufenthalts haben wir viele ehemalige Nice View Kinder kennengelernt, die sich jetzt als junge Erwachsene für ihr Zuhause engagieren, indem sie als Lehrer*in, Schreiner*in, Näher*in, Gärtner*in, Fahrer*in, usw. tätig sind. Dies ist für uns mehr als Beweis genug, wie nachhaltig das Nice View Projekt ist und unsere Unterstützung verdient.

Wir bewundern Gudrun und ihre Familie für all die Kompromisse, die sie als Familie eingegangen sind, um dieses Kinderdorf auf die Beine zu stellen. Thomas und Nathalie danken wir ganz herzlich, dass sie uns bei der Planung unserer Reise unterstützt haben und dass sie sich mit Ubele leidenschaftlich für das Kinderdorf einsetzen. Der Einblick in den Alltag und das Leben der Kinder im Nice View Village hat unser Leben stark bereichert.

Melanie und Bruno Quinzi mit Alina (13) und Viona (11)